
Frisch zurück von der jährlichen imm 2019 in Köln, präsentieren wir Ihnen die aktuellen Möbeltrends des kommenden Jahres – wir möchten Ihnen so die Eindrücke der Messen vermitteln und Ihnen kreative Inspiration für die Einrichtung Ihres Zuhauses geben.
Schon der erste Blick auf die Einrichtungstrends offenbart viele alte Bekannte: Sideboards, flankiert von kleinen Retro-Sesseln oder leichtfüßigen Sofas, gedeckte Farben, eine fast schon konträr wirkende Mischung einfacher und opulenter Einrichtungsgegenstände. Stilgebend ist in diesem Jahr alles, was in die Kategorie Retro fällt, jedoch verfremdet und modernisiert durch aktuelle Interpretationen etablierter Formen.
Zu sehen sind die neuen Strömungen und Tendenzen der Einrichtungswelt wie in jedem Jahr für Fachbesucher und interessierte Privatleute auf der internationalen Möbelmesse imm Cologne in Köln, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feierte. Traditionell fand die Einrichtungsmesse im Januar in der Kölnmesse statt, wo die Designer die Essenz der kommenden Monate in den Messehallen präsentierten. Wir haben uns ein Bild der neuen Trends gemacht und stellen Ihnen die wichtigsten Inspirationen für 2019 vor.
- Modulare Möbel sorgen für mehr Flexibilität
- Retro und Art Déco treffen auf neue Simplizität
- Dunkle Wohnzimmer im opulenten Stil der Zwanziger
- Neue Farbwelten von Grau bis Koralle
- Wohlfühl-Zuhause mit multifunktionalen Räumen
- Hightech – vor allem im Küchenbereich keine Zukunftsmusik mehr
- Mutter Natur steht weiterhin im Fokus der Einrichtungsstile
- Überblick: Weitere Einrichtungstrends 2019 auf der imm Cologne
- Fazit: Widersprüchlichkeit schenkt Individualität
Modulare Möbel sorgen für mehr Flexibilität
Das größte Thema des Jahres ist das sogenannte grenzenlose Wohnen, bei
dem es darum geht, dass unser Zuhause nicht mehr in festgelegte Räume
unterteilt wird, sondern die Grenzen zwischen den einzelnen
Wohnbereichen verschwimmen. Diese Idee stammt von dem Designerpaar
„Truly Truly“ aus den Niederlanden, die in diesem Jahr das Leitthema der
Messe auf einer Fläche von rund 180 Quadratmetern präsentieren durften.
Die Vision dahinter: Bei Neubauten wird immer mehr Wert auf eine offene
Raumgestaltung gelegt, flexible Lösungen zur Unterteilung der
Wohnbereiche werden immer beliebter und mithilfe von großen
Dekorationselementen können ohne Wände visuell Räume geschaffen werden.
Die zunehmende Flexibilisierung unseres Lebens erfordert eine neue Form von Möbeln – kleiner, modularer und multifunktionaler müssen sie sein, um mit all unseren Anforderungen mithalten zu können. Vor allem in den Städten, wo Wohnraum immer knapper wird, spielt der multifunktionale Charakter neuer Möbel eine wichtige Rolle. Cleveren Ansätzen folgend, lassen sich viele Möbel auseinander- oder zusammenschieben, wie man sie gerade braucht, oder zeigen erst auf den zweiten Blick, was in ihnen steckt, etwa in Form verdeckter Staufächer oder integrierter USB-Anschlüsse.
Retro und Art Déco treffen auf neue Simplizität
Die Art, wie wir leben, spiegelt sich auch 2019 – und vielleicht mehr als je zuvor – im Wohndesign wider. Wenn der Alltag durch Wechselhaftigkeit, Unsicherheit und gleichzeitig eine zunehmende Flexibilität geprägt ist, wendet sich der Blick ganz natürlich zu den altbewährten, vertrauten Dingen: In neuer Form, mit neuem Finish oder einer neuen Stofflichkeit erinnern Retro-Designs an vergangene Zeiten und fügen sich doch lückenlos in ein modernes, mit der digitalen Welt kompatibles Wohnumfeld ein. Im modernen Setting entstehen auf diese Weise Wohnwelten, die wahlweise hell und frech, industriell oder dunkel und elegant sein dürfen. Der Trend geht dabei zu auffälligen Einzelstücken, die sich beispielsweise vor einem eleganten Art Déco-Hintergrund oder in einem industriellen Setting präsentieren.
Aufmerksamkeitsheischende Retro-Elemente, die etwa an die goldenen Zwanzigerjahre erinnern, finden wir vor allem in den Wohnräumen: Sie verströmen eine behagliche, von luxuriöser Opulenz durchsetzte Gemütlichkeit. Dem fast schon konträr entgegen steht eine Weiterentwicklung von Einfachheit und Minimalismus, die sich in ihrer Simplizität zukünftig aber eher in Küche und Schlafzimmer niederschlägt. Gepflegt, aber systematisch und aufgeräumt soll die Einrichtung dieser Räume zukünftig sein.
- Retro-Möbel bestimmen die Wohntrends 2019
- Wohnräume präsentieren sich in gemütlich-vertrauter Atmosphäre bekannter Formen
- Küche und Schlafzimmer setzen auf schlichte Einfachheit und Funktionalität
Dunkle Wohnzimmer im opulenten Stil der Zwanziger
Dunkel und elegant zugleich ist die neue Interpretation des Art Déco. In den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts war Art Déco prägend für die High Society, die sich kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit Freude, Lebenslust und Luxus umgab. Prägend für diesen Stil ist die Kombination edler, luxuriöser Materialien und kräftiger Farben mit sinnlichen, geschwungenen Linien und floralen Mustern. Knapp 100 Jahre später findet sich der luxuriöse Stil mit Pailletten, Brokat und Perlen in unserem modernen Alltag wieder – Wohntextilien, kleine Beistelltische oder Lampen eignen sich besonders gut, um den neuen Art Déco-Stil in den eigenen vier Wänden zu integrieren.
Neue Farbwelten von Grau bis Koralle
In Sachen Grundfarben verändert sich wenig: Der Trend zu einer hellen Palette von Grautönen hält an, jedoch verlagert sich die Inspiration ihrer Kombinationspartner weg vom skandinavischen Stil hin zu Ethno- und Naturtönen. Dazu passt auch, dass wir uns wieder mehr echtes Grün in die eigenen vier Wände holen dürfen, die dem Ganzen ein geerdetes Ambiente verpassen.
Ebenfalls ganz groß im Kommen ist der dunkel-elegante Farbmix, der auch im Art Déco-Trend für Inspiration sorgt. Hier werden dunkle Varianten der Grundfarben ins Zentrum gesetzt, die eine harmonische Kombination mit Holz eingehen. Dunkle Blau- und Grüntöne bringen Messing und Kupfer zum Leuchten und halten sich doch elegant zurück.
Ein starkes Gegengewicht dazu bildet die dritte Farbwelt, die uns 2019 in Atem hält: Eine bunte Optik, die reine Lebenslust versprüht, kommt kühn, ja gar poppig-frech daher. Knallige Orangetöne werden nicht nur mit komplementärem Dunkelgrün, sondern auch mit Gelb, Türkis, Petrol oder Minze kombiniert. Heraus kommt ein buntes Potpourri von Eiscremefarben, das schon in den Wintermonaten den Sommer ins Haus holt.
Zwischen allem findet sich in verschiedensten Farbintensitäten die Pantone Farbe des Jahres: „Living Coral“, ein Korallenton, trägt verschiedene Eigenschaften in sich – als Pastellton wirkt es frühlingshaft und passt zur hellgrauen Farbpalette, in gedeckter Variante geht es mit dem neuen Art Déco-Feeling einher und wird in seiner knalligen Ausführung tonangebend in der bunten, lebensbejahenden Lifestyle-Optik. Gleichzeitig mahnt der Farbton in seiner Namensgebung, dass es im Meer und an Land schützenswerte Lebensräume gibt.
- helle Grundfarben und Grautöne bilden die Basis für Ethno- und Naturtöne
- dunkle Rot-, Blau- und Grüntöne gehen eine spannende Kombination mit Metallen ein
- poppige Eiscremefarben stehen für die Freude an Lifestyle und Einrichtung
- „Living Coral“ verleiht der Einrichtung als Farbe des Jahres einen frischen Look
Wohlfühl-Zuhause mit multifunktionalen Räumen
In der Konsequenz der letzten Entwicklungen im Bereich Wohndesign gehen die Wohnräume mehr und mehr ineinander über: Küche und Wohnzimmer wandern weiter aufeinander zu. Die Kücheninsel ist in weitläufigen Koch-Ess-Wohnbereichen kaum noch zu umgehen und steht mitten im Raum. In dieser Position schafft sie neuen Lebensraum, der dem Bedürfnis seiner Bewohner entspricht: Kochen, Essen und Kommunikation werden hier auf natürliche Weise miteinander verbunden – je nach Grundriss einer bestehenden Wohnung oder eines Hauses ist das zwar nur bedingt möglich, spielt aber vor allem bei Neubauten eine Rolle. Neue Wohnumfelder bieten fast immer eine offene Küche, die sich mit einer Kochinsel oder einer Theke nur noch optisch vom Wohnraum abgrenzt.
In solchen multifunktionalen Räumen, die sowohl zum Kochen als auch Essen und gemeinsam verbrachter Zeit vorgesehen sind, müssen auch die Möbel multimodal und behaglich sein. Bequeme Polstermöbel finden sich dementsprechend nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch in Esszimmer und der Wohnküche und laden mit dynamischen Rundungen, warmen Farben und weichen Bezügen aus Samt, Cord, Leder oder Wollfilz zum Wohlfühlen und Entspannen ein.
Hightech – vor allem im Küchenbereich keine Zukunftsmusik mehr
Weiterhin erwartet uns in diesem Jahr eine spannende Verbindung zwischen modernem Hightech und gradlinigen Einrichtungsstilen. Gerade in unseren Küchen zeigt sich die Zukunft von ihrer stärksten Seite, denn hier schießen die technologischen Weiterentwicklungen nur so aus dem Boden – intelligentes Wohnen wird uns in der kommenden Zeit mit Sicherheit weiterhin beschäftigen. Gleichzeitig – und einhergehend mit all den anderen Neuigkeiten der Messe – soll die Küche mehr und mehr in den Mittelpunkt des häuslichen Lebens gerückt werden. Integrierte Wohnbereiche und versteckte Aufbewahrungsmöglichkeiten wirken auf den ersten Blick möglicherweise steril und vor allem ungewohnt, doch wer erst die Tiefe der Modelle entdeckt hat, freut sich über die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten in der eigenen Küche!
Mutter Natur steht weiterhin im Fokus der Einrichtungsstile
Nach wie vor im Trend bleiben moderne Stilrichtungen, wie etwa „Hygge“, die besonders auf Naturmaterialien und gradlinige Farben setzen. Materialien wie Holz sollen dabei jedoch nicht glatt und bearbeitet wirken, sondern eher unbearbeitet das rudimentäre Gefühl der Natur in unser Zuhause übertragen. Dazu passend sind warme Farben im Fokus, denn diese fügen sich mit den Materialien in ein stimmungsvolles Bild zusammen. Die Farbpaletten der Hersteller zeigen sich immer wieder mit ausgefallenen Ideen und vor allem grenzenlos!
Überblick: Weitere Einrichtungstrends 2019 auf der imm Cologne
- Klassiker haben Hochkonjunktur: Von Einzelstücken im Stil des Mid Century Chic über moderne Designklassiker bis hin zur Popkultur der 70er Jahre finden wir in diesem Jahr alles, was wir lange Jahre schmerzlich vermisst haben. In diesem Zusammenhang nimmt auch der Bauhaus-Stil Einfluss, der sein 100-jähriges Jubiläum feiert und reduzierte, geometrische Formen ins Wohndesign zurückholt.
- Simplizität wird nicht zuletzt durch die zunehmende Digitalisierung zu einem wichtigen Strukturmerkmal: Wo Bücher zu Ausstellungsstücken von besonderem Wert mutieren, werden besondere Stücke auch als solche inszeniert. Darüber hinaus geht der Trend weiterhin dahin, nur das besitzen zu wollen, was wir wirklich brauchen.
- Muster kehren langsam wieder in unsere Lebenswelt zurück. Nachdem sie erst von Polstermöbeln verbannt und auf Tapeten erneut kultiviert wurden, schleichen sie sich von neuem in die aktuellen Trends ein – teils als Print, teils in 3D, beispielsweise auf einem It-Piece wie dem Sideboard, an dem wir in diesem Jahr nicht vorbeikommen.
Fazit: Widersprüchlichkeit schenkt Individualität
Im Detail betrachtet, machen die Möbeltrends 2019 einen ganz schön widersprüchlichen Eindruck. Genau darin liegt aber zugleich ihr Potenzial: Helle Simplizität und dunkle Opulenz, knallige Farben gegenüber hellen Grautönen, metallische Effekte als Akzentgeber – das alles wird gerade in seiner Gegensätzlichkeit zu einer Stärke. Denn wir dürfen uns nicht nur die Trends aus der großen Palette heraussuchen, die uns am besten gefallen, sondern auch nach Herzenslust Stilbrüche und Akzente setzen. Und das kommt dem wachsenden Wunsch nach individuellen Wohnwelten entgegen.
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